psychotherapeutische praxis

Martin Scharpenberg

Gestalttherapeutischer Ansatz in der Traumatherapie

Traumatisches Erleben ist das Erleben von Ausgeliefertsein und Ohnmacht. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass die erlernten Abwehr- und Schutzmechanismen in der entsprechenden Situation bzw. Lebensphase als nicht anwendbar oder unzureichend erlebt wurden. Als Notreaktion wurde das Erleben deshalb kurzfristig unter Umständen aber auch langfristig verdrängt bzw. abgespalten.

Traumatisches Erleben ist in jeder Lebensphase möglich, wirkt aber für Kinder in der Regel einschneidender, weil diese auf Grund ihrer zeitlich relativ begrenzten Lebenserfahrung noch weniger in Lage sind, dem traumatischen Erleben etwas entgegen zu setzen.

Durch die ursprünglich überlebensnotwendige Verdrängung ist eine Verarbeitung und Integration des Erlebten erschwert bis unmöglich. Beim Auftreten entsprechender Auslöser, die u.U. nichts mehr mit der ursprünglichen Situation zu tun haben müssen, erleben sich die Betroffenen oft noch Jahre später von Gefühlen überschwemmt und in ihrer selbstbestimmten Handlungsfähigkeit beeinträchtigt.

In jeder traumatherapeutischen Psychotherapie sollte es zunächst um die Schaffung eines sicheren, verlässlichen Orts in der therapeutischen Beziehung gehen.

Das Ausdruck-Finden und sich immer wieder auf neue vergewissernde Erleben von eigener Wirkmächtigkeit in der Bewältigung von Situationen im „Hier und Jetzt“ ist darüber hinaus ein wesentlicher gestalttherapeutischer Ansatz in der therapeutischen Begleitung. Auf dieser Grundlage kann es möglich sein, dass sich die in der Vergangenheit notwendigen Schutzmechanismen punktuell entspannen und ein Fühlen, Erinnern und damit Verknüpfen von konkret Erlebtem und Vergangenem stattfindet.

Der gestalttherapeutische Ansatz vertraut und lässt sich von dem leiten, was dem Klienten an konkretem Erleben in der jeweiligen Situation, im Hier und Jetzt möglich ist. Dies in Verbindung mit dem sich immer wieder aufs Neue Vergewissern der eigenen Handlungsfähigkeit ermöglicht schrittweise eine Integration des Vergangenen in das aktuelle Erleben und ist als der eigentliche Heilungsprozess anzusehen.

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