psychotherapeutische praxis

Martin Scharpenberg

Gestalttherapie

Gestalttherapie gehört zu den sogenannten humanistischen Therapieformen, die sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts aus der Tiefenpsychologie entwickelt haben.
„Gestalt“ im Sinne von „Gestalt annehmen“ steht für Themen, die oft hinter dem von uns bewusst Erlebten liegen. Gestalttherapie schafft einen Raum der Wertschätzung und Wahrnehmung, in dem diese Themen sein und sich zeigen dürfen.

Wesentliche Wirkfaktoren der Gestalttherapie:

  • Die Basis und der sichere Raum für alle therapeutischen Prozesse in der Gestalttherapie ist eine tragfähige „therapeutische Beziehung“. Sie ist geprägt von Seiten des Therapeuten durch eine offene, wertschätzende und akzeptierende Haltung allen Formen des so-geworden-Seins gegenüber.
  • Gestalttherapie konzentriert sich auf das Erleben im „Hier und Jetzt“, weil alle Erfahrung, auch die des sich Erinnerns, nur in der Gegenwart stattfindet.
  • Gewahrsein“ ist ein für das Verständnis der Gestalttherapie wesentlicher Begriff. Er definiert sich als das bewusste Erleben von Empfindungen, Gefühlen und Absichten und wird als der eigentliche heilende Wirkfaktor im therapeutischen Prozess angesehen. Der therapeutische Prozess lässt sich als angeleitetes Selbstwahrnehmen beschreiben. Veränderungen vollziehen sich nicht durch gezielte Bemühungen oder Eingaben von außen, sondern ergeben sich aus einem sich entwickelnden kontinuierlichen Wahrnehmungsprozess.

 

Gestalttherapie im geschichtlichen Kontext:

Gestalttherapie gehört wie die Gesprächspsychotherapie (Rogers), die Logotherapie (Frankl) und das Psychodrama (Moreno) zu den Humanistischen Therapieformen, die in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts anfingen, sich zu etablieren. Sie entstanden vor dem Hintergrund und in Auseinandersetzung mit der Tiefenpsychologie und der Psychoanalyse von Sigmund Freud.

Dramatherapie / Theatertherapie

Drama-/ Theatertherapie ist eine körper- und handlungsorientierte Therapieform. In Abgrenzung zum Psychodrama (Moreno) geht es ihr aber nicht primär um die Aufarbeitung biographischer Zusammenhänge, sondern zunächst um die Schaffung neuer Erlebnis- und Erfahrungsräume.

Wesentliche Wirkfaktoren der Drama-/Theatertherapie:

In der Drama- und Theatertherapie wird davon ausgegangen, dass elementare Gefühle wie Wut, Angst, Freude oder Trauer körperlich erlebt werden, auch wenn sie sich u.U. in Worten noch nicht ausdrücken lassen. Theatertherapie schafft durch unterschiedliche Handlungsangebote kreative Schutz-Räume, sich auszudrücken und Alternativen zu gewohnten Handlungsmustern zu erproben. Das sind für sich schon wertvolle Erlebnisse und Erfahrungen. Sie können darüber hinaus aber auch für den weiteren therapeutischen Prozess genutzt werden.

Drama-/Theatertherapie im geschichtlichen Kontext:

Die Prinzipien der zeitgenössischen Dramatherapie wurden in den 1960er Jahren vor allem in England, den USA und den Niederlanden entwickelt. In diesen Ländern hat sich der Begriff „dramatherapy“ etabliert, während in Deutschland vom Berufsverband der deutschen Theatertherapeuten (DGfT) eher die Bezeichnung Theatertherapie verwendet wird. Wichtige Pioniere waren Renee Emunah, Sue Jennings und Robert Landy.

Die systemische Aufstellung

Was ist Aufstellung?

Aufstellungen sind Verkörperungen von Energien

Spannung – Entspannung – Nähe – Entfernung – Konflikt – Harmonie – Sehnsucht – Resignation – Freude - Frust: das sind Beschreibungen energetischer Zustände, in denen ich mich anderen Menschen gegenüber, aber auch mir selbst gegenüber erleben kann - sehr konkret und sehr körperlich.

Das kann ich körperlich erleben und häufig durchaus klarer, als ich es in Worten auszudrücken vermag. Deshalb macht es Sinn, dieses Erleben auch körperlich auszudrücken – also zu „verkörpern“ und nicht nur  zu „verworten“. In diesem Sinne ist systemische Aufstellung eine Möglichkeit, mir die inneren und äußeren energetischen Zustände, in denen ich mich bewege, bewusst zu machen, ihnen einen Platz zu geben, sie anzuschauen und ganz konkret neue Perspektiven zu ihnen einzunehmen.

 

In der Grundaufstellung arbeiten wir in der Regel mit der sogenannten „triadischen“ Aufstellung, das heißt, es werden 3 Energien aufgestellt: Das handelnde Ich – das Thema/Problem – und der Zustand, in den sich das Problem lösen, das Thema wandeln kann. Dies folgt dem Gedanken, dass auch die Lösung eines Problems im System liegt, uns in der Regel nur der Blick darauf verstellt ist.

 

In meiner psychotherapeutischen Praxis nutze ich diese Möglichkeit in der Regel im Einzel-Setting

Aufstellung in Gruppen

Energien sind mitteilbar. Menschen haben, je nach dem, in was für einem „Zustand“ sie sich befinden, eine unterschiedliche Ausstrahlung - das empfinden wir als ganz natürlich. Wir können die „dicke Luft“ in einem Raum spüren – und das hat in der Regel nichts mit dem Sauerstoffgehalt zu tun. Wir sprechen von „Schwingungen“ zwischen Menschen und von „Sender“ und „Empfänger“. Ich kann mich durchlässig machen und ich kann dicht machen. Ich kann mich in einen Menschen hineinversetzen und ich kann eine Resonanz spüren. Es gibt Menschen, bei denen kann ich „Energie tanken“ und Menschen, die mir meine „Energie rauben“. Unsere Sprache gibt uns eine Vielzahl von Hinweisen, wie normal und alltäglich wir über und mit Energien kommunizieren.

In einer Aufstellung arbeiten wir mit diesen Energien. Das ist kein „Hokuspokus“ und wir versetzen uns auch nicht in irgendeinen Zustand. Wir nutzen lediglich etwas, das sowieso da ist und lenken unsere Wahrnehmung darauf. Aufstellung macht sich die Wahrheit des „Kleinen Prinzen“ von Saint Exupery zunutze, dass Sprache die Quelle der Missverständnisse ist und wir viel leichter und direkter über unsere Herzen kommunizieren können.

Und so können bei einer Aufstellung in Gruppen andere Menschen „Repräsentanten“ für meine Energien sein und sich sogar gemäß diesen verhalten. Das eröffnet mir die großartige Möglichkeit, meinen Energien quasi „bei der Arbeit“ zuschauen zu können. Sehr spannend – und wenn ich meinen Kopf erst einmal überredet habe, sich nicht darüber zu wundern, eigentlich ganz logisch und selbstverständlich.

 

Warum 5R und Aufstellung

Als Rahmenbedingung für eine Aufstellung halte ich ein „Grounding“, eine bewusste Verankerung in mir selbst, für ausgesprochen wesentlich:

  • ein bewusstes Erleben meines Körpers und meiner Körpergrenzen,
  • ein „mich-in-meinem-Körper-Spüren“
  • aus dem intensiven Kontakt mit mir in den intensiven Kontakt mit den anderen, mit der Gruppe gehen
  • und dann auch wieder zu mir zurückkehren.


Die 5Rhythmen® Tanz- und Bewegungsmeditation ermöglicht genau das beschriebene in wundervoller Weise. Die 5Rhythmen und Seinsqualitäten: Flowing - Stakkato – Chaos – Lyrical – Stillness, können wir in Verbindung mit Aufstellungen als 5 Erlaubnisräume tanzen und erleben: Die Erlaubnis zum Spüren – die Erlaubnis zur Grenze – die Erlaubnis zur Auflösung – die Erlaubnis zur Neuordnung – die Erlaubnis zur Besinnung. Auf der Ebene des Körpers, des Tanzes, der Musik erlebe ich „Grounding“ und auch ein „Sharing“, ich erlebe mich und ich erlebe die Gruppe. Ich bin ganz in meiner Energie und ich bin ganz in der Energie der Gruppe.

Genau so, auf einer anderen Ebene, gestaltet sich der im Aufstellungsprozess. So gesehen ergänzen sich Aufstellung und 5Rhythmen Tanz sehr stimmig und gehen miteinander in Resonanz.